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Gott in allem

  • 4. Juli
  • 2 Min. Lesezeit

Zum Gedenktag von SWAMI VIVEKANANDA

(12. 01. 1863 – 04. 07. 1902)


«Von Kindheit an habe ich gelernt, Gott überall und in allem zu sehen und dadurch Freude an der Welt zu haben. Sobald ich mich aber mit der Welt abgebe und Schläge von ihr erhalte, ist die Vorstellung verschwunden. Ich gehe auf der Strasse spazieren und denke daran, dass Gott in jedem Menschen ist. Dann kommt ein Grobian daher und stösst mich so, dass ich hinfalle. Ich stehe mit geballten Fäusten auf, das Blut steigt mir zu Kopf, und mit meiner Andacht ist es aus. Ich drehe durch, und alles ist vergessen. Statt Gott zu begegnen, sehe ich den Teufel.


Von Geburt an hat man uns gelehrt, Gott in allem zu sehen. Jede Religion lehrt das. Hat Christus das nicht auch gesagt? Uns allen wurde das beigebracht, aber wenn es zur Praxis kommt, dann beginnen die Schwierigkeiten.


In Äsops Fabeln blickt ein Hirsch auf sein Spiegelbild in einem See und sagt zu seinem Jungen: "Wie kräftig ich bin! Sieh nur meinen wunderbaren Kopf, meine starken, muskulösen Glieder! Und wie schnell kann ich laufen!" Dann hört er in der Ferne das Bellen eines Hundes und springt davon. Nachdem er einige Kilometer gelaufen ist, kommt er keuchend zurück. Das Junge sagt: "Gerade hast du mir gesagt, wie stark du bist, und dann läufst du vor dem Bellen davon." "Ja, mein Sohn, aber wenn die Hunde bellen, ist all meine Zuversicht verschwunden."


In Äsops Fabeln blickt ein Hirsch auf sein Spiegelbild in einem See und sagt zu seinem Jungen: "Wie kräftig ich bin! Sieh nur meinen wunderbaren Kopf, meine starken, muskulösen Glieder! Und wie schnell kann ich laufen!"

So geht es uns auch. Wir halten viel von der Menschheit, wir fühlen uns stark und haben grosse Vorsätze, aber wenn die Hunde der Prüfungen und Versuchungen bellen, sind wir wie der Hirsch in der Fabel.


Aber wenn das so ist, was nutzen dann diese Lehren? Sie haben dennoch den grössten Nutzen. Der Nutzen ist, dass Ausdauer schliesslich siegen wird. Nichts kann an einem Tag erreicht werden.


Über dieses Selbst muss man hören, darüber nachdenken und dann darüber meditieren. Jeder kann den Himmel sehen, selbst der Wurm auf der Erde sieht den blauen Himmel, aber wie weit ist er entfernt! So ist es mit unserem Ideal. Es ist ohne Zweifel weit entfernt, aber wir wissen, dass wir es erreichen müssen. Wir müssen sogar das Höchste Ideal haben. Unglücklicherweise tappen die meisten Menschen im Dunkeln, ohne irgendein Ideal. Wenn ein Mensch mit Idealen tausend Fehler macht, dann bin ich sicher, dass einer ohne Ideale fünfzigtausend macht. Deshalb ist es besser, ein Ideal zu haben.


Das Ideal ist, Gott in allem zu sehen. Wenn du das nicht schaffst, sieh Ihn in etwas, das du am meisten liebst, und dann sieh Ihn auch in anderen Dingen. So geht es weiter. Ein unendliches Leben liegt vor der Seele. Nimm dir Zeit, und du wirst das Ziel erreichen.»


Aus: VEDANTA, Der Ozean der Weisheit von SWAMI VIVEKANANDA


Foto: Nick Fewings auf Unsplash

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