Stille im Sturm – Das Geheimnis des Karma-Yoga
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Swami VIVEKANANDA (12.01.1863–04.07.1902)
«Intensivste Arbeit ist notwendig. Wir müssen immer erschaffen. Nicht einen Bruchteil einer Sekunde können wir leben ohne zu wirken. Arbeit, in derem rasenden Wirbel wir stehen – das ist die eine Seite des Lebens. Doch gibt es noch eine andere, die ruhige, verzichtende Zurückgezogenheit. Alles ringsum ist friedvoll, kaum ein Geräusch erhebt sich, nichts anderes gibt es als die Natur mit ihren Tieren, Blumen und Bergen. Doch täuschen wir uns nicht – keines dieser beiden Bilder ist volllkommen. Gerät ein Mensch, der an Einsamkeit gewöhnt ist, in Kontakt mit jenem ungestümen Strudel der Arbeit, so wird er davon zermalmt, so wie der in den Tiefen des Meeres beheimatete Fisch zerfallen müsste, käme er in die oberen Gewässer, weil er da des Wasserdrucks beraubt wäre, der ihn zusammen gehalten hat. Wer aber in der Unruhe und dem ständigen Ansturm des Lebens zu Hause ist, könnte der sich an einem unbelebten, stillen Ort wirklich wohlfühlen? Die Stille würde ihm zur Qual werden, die Ereignislosigkeit wäre eine Last für sein Gemüt. Jeder dieser beiden Menschentypen ist einseitig. Der wahre, der ideale Mensch entwickelt, umgeben von grösster Stille und Einsamkeit, intensivste Aktivität und findet inmitten intensivster Aktivität die Stille und Einsamkeit der Wüste. Das Tor der Selbstbemeisterung hat er durchschritten und ist Herr über sich. Er kann durch die verirrenden Strassen einer Stadt mit ihrem Menschen- und Wagenverkehr gehen und ruhigen Gemütes bleiben, als befände er sich in einer Höhle, und ebenso gut in einer Höhle leben, wohin nicht das leiseste Geräusch zu dringen vermag, und doch in ständiger Aktivität bleiben. Das ist das Ziel von Karma-Yoga. Ist man dort angelangt, so hat man das Geheimnis der Arbeit entschleiert.»
Aus: SWAMI VIVEKANANDA, Karma-Yoga und Bhakti-Yoga

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