Relativitäts-Praxis

Eine persönliche Erfahrung aus dem Alltag. «Alles ist relativ.» Hat man jeweils schnell gesagt. Aber kann ich diese – sicher noch viel tiefgründigere Aussage, als sie einem so auf Anhieb erscheint – in meinem Alltag auch leben?



Neulich bei der Musikwahl für einen Werbefilm


Musik löst bei unterschiedlichen Menschen unterschiedliche Assoziationen aus. Jeder ist anders geprägt. Bei mir löste ein Musikstück die Erinnerung an die tollen 80er-Jahre-Serien aus, wie McGyver, Knight Rider und wie sie alle hiessen. Diese Stimmung passte für mich perfekt zum Inhalt dieses Werbefilms.

Beim jüngeren Werber gegenüber aber löste dieselbe Musik die Erinnerung ans laaangweilige Fernseh DRS-Nach-Mitternachtsprogramm der 90er-Jahre aus, wo die leeren Sendezeiten jeweils mit Helikopter-Flugaufnahmen über die Schweiz gefüllt wurden. Ein absolutes «No-Go», wie er fand!


«Jedes Ding hat drei Seiten. Eine, die du siehst, eine, die ich sehe und eine die wir beide nicht sehen.» Chinesisches Sprichwort


Unterschiedliche Ansichten zwischen zwei Berufskollegen bereiten per se auch gar keine Mühe. Im Gegenteil, es hilft dem Auftraggeber bei der Entscheidungsfindung, wenn er sich zwei unterschiedliche Vorschläge anhören kann. Und welcher der beiden obigen weiss denn schon mit Bestimmtheit, welche Assoziationen dann dem Auftraggeber bei der besagten Musik noch durch den Geist gehen mögen?!...


Unangenehm wurde es erst dann, als einer der beiden Kollegen seine relative Ansicht mit Nachdruck zum Absoluten erklärte.



Was will mir das sagen?


In meinen Gefühlen habe ich beobachtet, dass die Begegnung mit sturem Recht-haben-wollen einen fahlen Nachgeschmack hinterlässt. Im Bewusstsein aber, dass mir im Aussen das begegnet, was ich in meinem Innen mit meinen Gedanken und Gefühlen nach aussen projiziere, – musste ich mir ehrlicherweise die Frage stellen: «Und waseliwas will mir dieses Erlebnis wohl mitteilen?».


Mit etwas Abstand habe ich dann in meinem Geist beobachtet, dass sich auch in mir «etwas» sehr viel davon verspricht, in Alltags-Situationen mit meinen Ideen Recht zu haben, Recht zu bekommen oder damit zu gewinnen. Und wenn nötig mit Nachdruck daran festzuhalten... Touché!


Einmal mehr staune ich über unsere – sicher auch noch tiefgründigere Volksweisheit – «Jeder sollte vor der eigenen Türe kehren.» und nehme dankbar diese Alltags-Lektion in mein Umsetzungs-Repertoire auf.


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